Castello di Volpaia
Wo aus einem Jagdrevier das kühle Herz des Chianti Classico wurde
Castello di Volpaia ist eines der bekanntesten Güter im Chianti Classico – eigentlich zu groß für unseren Fokus auf kleine, unbekannte Betriebe. Dass Nicolòs Weine trotzdem bei uns stehen, hat zwei Gründe: eine 15-jährige Bekanntschaft aus unserer Zeit in der Medienbranche und die schlichte Tatsache, dass diese Weine einfach zu gut sind. Auf bis zu 650 Metern Höhe in Radda entstehen extrem präzise, kühle, glasklare Chianti Classico. Wir machen hier eine bewusste Ausnahme für absolute Qualität.
Als wir Nicolò Mascheroni Stanti vor gut 15 Jahren kennenlernten, als wir noch in der Medienbranche gearbeitet haben, saßen wir bei Vertragsverhandlungen zunächst auf unterschiedlichen Seiten des Tisches. Aus dieser geschäftlichen Begegnung ist mit der Zeit eine richtig gute Bekanntschaft und große gegenseitige Wertschätzung entstanden.
Seitdem hat es uns immer wieder nach Mailand und nach Radda in Chianti gezogen. Vor allem Volpaia ist uns als Familie sehr ans Herz gewachsen. Besonders in Erinnerung geblieben ist uns ein Besuch, bei dem alle Gästezimmer belegt waren und wir kurzerhand im Elternhaus von Nicolò übernachtet haben. Seine Mutter Giovannella hat damals für uns in der Familienküche ein wunderbares toskanisches Menü gekocht – ein Abend, an den wir uns bis heute gerne erinnern. Es sind eben genau diese ungeplanten Momente, die eine Reise besonders machen.
Nicolò ist ein unkomplizierter, herzlicher und humorvoller Typ und führt das Gut heute gemeinsam mit seiner Schwester und seiner Mutter. Die Geschichte von Volpaia begann bei seinem Großvater, einem Druckereibesitzer, der das Anwesen ursprünglich als Jagdgebiet gekauft hatte. Was damals vermutlich ganz anders gedacht war, ist heute eines der bekanntesten Weingüter des Chianti. Die Familie ist dabei bis heute eng mit dem Ort verbunden und führt das Gut auf eine angenehm bodenständige und persönliche Art.
Das Besondere an Castello di Volpaia ist, dass hier nicht einfach nur Wein angebaut wird. Das gesamte mittelalterliche Dorf aus dem 12. Jahrhundert ist in das Weingut eingebunden. Die Weinkeller liegen zum Teil in alten Kirchen und unterhalb der Burg, dazwischen finden sich Wohnhäuser, kleine Gassen und überall Spuren der langen Geschichte dieses Ortes. Das gesamte Weingut ist inzwischen auf biologischen Anbau umgestellt.
Die Weinberge liegen auf 450 bis 650 Metern Höhe und stehen auf eher kargen Böden. Durch die Höhenlage sind die Tage warm, während es nachts deutlich abkühlt. Das sorgt für eine langsame und gleichmäßige Reife der Trauben und bringt Weine mit viel Klarheit, feiner Säure und Eleganz hervor. Vor allem der Sangiovese zeigt hier sehr schön, wo er gewachsen ist – präzise, charaktervoll und mit einer Frische, die die Weine angenehm trinkig macht.
Für uns ist Volpaia deshalb mehr als nur ein Weingut. Es ist dieser besondere Ort, die Geschichte dahinter und nicht zuletzt die Menschen, die ihn heute mit viel Verbundenheit weiterführen.
Warum bei uns im Glas?
Eigentlich sind uns Weine mit einer solchen internationalen Strahlkraft fast schon eine Nummer zu groß für unseren klaren Fokus auf kleine, noch wenig bekannte Manufakturen. Aber bei Nicolò wollen wir eine Ausnahme machen. Dafür kennen wir uns einfach schon zu lange und ist Volpaia viel zu eng mit unserer eigenen Geschichte und unserer Leidenschaft für Italien verbunden. Unseren ersten richtig guten Chianti haben wir bei Nicolò getrunken – und seitdem gehören seine Weine für uns einfach dazu. Und ganz unabhängig von der persönlichen Verbindung: Die Weine sind einfach richtig gut, eigenständig und machen genau das, was wir uns von einem guten Wein wünschen – sie erzählen von ihrer Herkunft und machen Lust auf das nächste Glas.
Volpaia ist deshalb nicht nur ein Wein, den wir gerne ausschenken, sondern ein Stück unserer eigenen Italiengeschichte, das wir jetzt auch mit unseren Gästen teilen möchten.
Unsere Auswahl von Castello die Volpaia
Citto (Toscana IGT)
Der unkomplizierte Toskaner für jeden Tag
„Citto“ bedeutet im toskanischen Dialekt so viel wie „kleiner Junge“ – und der Name passt ziemlich gut zu diesem unkomplizierten, fröhlichen Wein. Volpaia macht ihn aus biologisch angebauten Trauben aus der Toskana, vor allem Sangiovese, ergänzt durch Cabernet Sauvignon. Im Glas zeigt er viel Kirsche und rote Früchte, ist saftig, weich und angenehm rund. Kein Wein, der sich in den Vordergrund drängt, sondern einer, zu dem man ganz selbstverständlich noch ein zweites Glas bestellt.
Citto ist damit genau der richtige Wein für die Bar: zu Bruschetta, einer Portion Pasta, einer Pizza oder einfach zu einem Teller toskanischer Salumi. Ein unkomplizierter Einstieg in die Welt von Volpaia – und einer, der zeigt, dass ein Wein für jeden Tag trotzdem Charakter haben kann.
Vermentino Maremma Toscana DOC
Ein bisschen Küste im Glas
Volpaia liegt ja mitten im Chianti – umso schöner, dass die Familie mit diesem reinsortigen Vermentino auch ein Stück toskanische Küste ins Glas bringt. Die Trauben kommen aus der Maremma, wo das warme Klima und die Nähe zum Meer dem Wein seinen ganz eigenen Charakter geben. Er ist frisch und saftig, mit Aromen von Zitrusfrüchten und weißem Pfirsich, dazu kommt eine feine salzige Note, die ihn wunderbar leicht und trinkfreudig macht.
Ein Wein, der bei uns ganz selbstverständlich auf der Karte stehen darf: als Aperitif, zu leichten Antipasti oder vor allem zu Fisch und Meeresfrüchten. Ein Glas davon, dazu ein Tellerchen und ein bisschen Zeit – mehr braucht es manchmal gar nicht.
Vermentino Superiore Maremma Toscana DOC
Mehr Schmelz, mehr Struktur, aber immer noch schön frisch
Die Superiore-Variante zeigt den Vermentino von seiner etwas kräftigeren Seite. Die Trauben werden sorgfältig ausgewählt und der Wein bekommt etwas mehr Zeit, wodurch er mehr Fülle und einen schönen Schmelz entwickelt. Im Glas finden sich reife Steinfrüchte, dazu eine feine Würze und die für Vermentino typische Frische.
Er wirkt dadurch etwas runder und ruhiger als die klassische Variante, bleibt aber angenehm leichtfüßig. Für uns ein Wein, der genauso gut als Aperitif funktioniert wie zum Essen – besonders zu etwas kräftigeren Pastagerichten, Fisch vom Grill oder Gemüse aus dem Ofen.
Chianti Classico DOCG
Der Klassiker aus den Höhen von Radda
Der Chianti Classico ist einer der Weine, für die Volpaia steht – und gleichzeitig ein ziemlich guter Einstieg in das, was die Höhenlagen rund um Radda ausmacht. Der Wein besteht zu 90 % aus Sangiovese und zeigt sich entsprechend typisch für die Gegend: rote Kirschen, etwas Veilchen und eine schöne, klare Säure. Dazu kommen feine Würze und ein eher kühler, geradliniger Charakter.
Er ist elegant und lebendig, ohne schwer oder breit zu wirken. Genau das macht ihn für uns so vielseitig: Man kann ihn wunderbar einfach so trinken, noch besser wird er aber zum Essen. Zu Pasta mit Ragù, einer klassischen Lasagne oder einem Teller toskanischer Salumi fühlt er sich ziemlich schnell zu Hause.
Chianti Classico Riserva DOCG
Mehr Tiefe, mehr Zeit, mehr Sangiovese
Für die Riserva setzt Volpaia ganz auf Sangiovese und gibt dem Wein deutlich mehr Zeit zur Reife. Der Ausbau in Eichenfässern bringt zusätzliche Tiefe und Würze, ohne den Charakter der Traube zu überdecken. Im Glas zeigt er dunklere Frucht, feine Gewürznoten und eine schöne Spannung zwischen saftiger Frische und kräftigerer Struktur. Die Tannine sind präsent, aber gut eingebunden und geben dem Wein einen langen, angenehmen Nachhall.
Das ist ein Wein, für den man sich ruhig ein bisschen Zeit nehmen kann. Und natürlich macht er sich besonders gut zu dem, was man in der Toskana gerne auf dem Tisch hat: gereiftem Käse, kräftigen Pastagerichten, Schmorgerichten oder einem guten Stück Fleisch.
Coltassala Chianti Classico Selezione DOCG
Aus einer besonderen Lage in Volpaia
Der Coltassala kommt aus einer einzigen, historischen Weinbergslage des Guts und gehört zu den besonderen Weinen von Volpaia. Für die Gran Selezione wird nur sorgfältig ausgewähltes Lesegut verwendet, das dem Wein viel Tiefe und Struktur gibt. Im Glas zeigt er dunkle Beeren, feine Würze und mit zunehmender Reife auch Noten von Tabak und Leder. Dazu kommen die für Volpaia so typische Frische und eine klare Säure, die den Wein trotz seiner Konzentration erstaunlich präzise wirken lassen.
Das ist kein Wein für den schnellen Abend. Der Coltassala darf gerne etwas Luft bekommen und passt am besten zu einem Essen, bei dem man sich Zeit nimmt – etwa zu geschmortem Fleisch, Wild oder einem Stück gut gereiftem Käse. Ein Wein für besondere Abende, ohne dass man daraus gleich ein großes Ereignis machen muss.
Balifico Toscana Rosso IGT
Wenn Sangiovese auf Cabernet trifft
Der Balifico ist ein etwas anderer Wein im Volpaia-Sortiment: 65 % Sangiovese treffen auf 35 % Cabernet Sauvignon. Die beiden Rebsorten ergänzen sich ziemlich gut – der Sangiovese bringt Frische, Säure und die typische toskanische Würze mit, während der Cabernet für dunklere Frucht, mehr Kraft und Struktur sorgt. Das Ergebnis ist ein dichter, vollmundiger Rotwein mit dunklen Beeren, feinen Gewürznoten und einem langen, angenehm warmen Finish.
Mit seiner begrenzten Produktion ist der Balifico etwas Besonderes, bleibt dabei aber ganz auf der Linie von Volpaia: viel Charakter und Tiefe, ohne schwerfällig zu werden. Für uns ein Wein für die späteren Stunden – wenn die Pasta längst gegessen ist, noch eine Flasche auf den Tisch kommt und man den Abend ganz in Ruhe ausklingen lässt.
Auch zwei verschiedene Aceto haben wir ins Angebot genommen:
Aceto di Vino Bianco
Feine Säure für die Küche
In Volpaia gehört Essig genauso zur Küche wie Wein. Der helle Weinessig bringt eine klare, frische Säure und eine feine Fruchtigkeit mit, die ihn angenehm leicht und vielseitig macht. Besonders gut passt er zu einfachen Vinaigrettes, sommerlichen Salaten oder frischem Gemüse – überall dort, wo ein kleiner Spritzer Säure ein Gericht erst richtig rund macht.
Aceto di Vino Rosso
Etwas kräftiger, etwas würziger
Für den Rotweinessig bilden die Sangiovese-Trauben von Volpaia die Grundlage. Er ist kräftiger und würziger als die helle Variante und bringt neben einer schönen Säure auch dunklere, leicht herbe Noten mit. Dadurch passt er besonders gut zu kräftigeren Gerichten, etwa zu Schmorgerichten, Eintöpfen oder gegrilltem Gemüse. Aber auch über einen Teller toskanische Salumi oder ein Stück Pecorino macht er sich ziemlich gut.



